Reykjavík –
Mehr als der Ausgangs- und Endpunkt einer Islandrundreise.
Ein stadt- und physiogeographischer Exkursionsführer
durch die nördlichste Hauptstadt der Welt
von
Karin Steinecke
Einleitung
Lange Zeit war Reykjavík, die Hauptstadt Islands, für die meisten
naturbegeisterten Touristen, die mit dem Flugzeug nach Island
gereist sind und daher im internationalen Flughafen Keflavík nur
etwa 50 km westlich von Reykjavík das erste Mal ihren Fuß auf
diese Insel gesetzt haben, lediglich Ausgangs- und Endpunkt für
eine Rundreise zu den beeindruckenden Naturschönheiten Islands.
In Reykjavík wurde und wird dabei häufig – fast notgedrungen als
„Warte- oder Überbrückungszeit“ – der erste und letzte Tag der
Reise verbracht. Hier bestehen die besten und teilweise auch
einzigen Möglichkeiten, in der Nähe des internationalen Flughafens
zu übernachten, Autos zu mieten, Exkursionen zu buchen und die zu Beginn der
Reise notwendigen Einkäufe von Lebensmitteln, Karten und Ausrüstungsgegenständen
zu erledigen. In Reykjavík starten und enden schließlich auch die von den
Touristen viel genutzten Überlandreisebusse. Am Ende der Reise kurz vor dem
Heimflug werden in Reykjavík hingegen häufig die Souvenirs erstanden, mit
denen man vielleicht schon während der Umrundung der Insel andernorts
geliebäugelt hatte, die man aber aus Platz- und Gewichtsgründen zunächst noch
nicht erworben wollte. Beim „Pflicht-Shopping“ in der Großstadt Reykjavík am
Anfang oder Ende einer erlebnisreichen Islandreise voller Erwartungen und
Eindrücke blieb und bleibt dann häufig nur wenig Zeit und Lust, auch in
diesem – für viele Naturfreunde vielleicht etwas weniger attraktiven –
Stückchen Island schon oder noch auf ausgiebige geographische und
naturkundliche Erkundungen zu gehen und neben den „klassischen
Sehenswürdigkeiten“ (s. u.) auch weniger bekannte lokale „Spezialitäten“
Reykjavíks aufzusuchen.
Seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts wirbt die Stadt Reykjavík
jedoch gezielter für einen speziellen Städtetourismus. Immer wieder bietet
die nationale Fluggesellschaft Icelandair seither vergleichsweise günstige
drei- bis fünftägige Flugreisen nach Reykjavík an, wobei vor allem kulturelle
(z. B. Reykjavík Art Festival, Silvesterfeiern) und sportliche Veranstaltungen
(z. B. Reykjavík Marathon, Arctic Open Golfturnier, Handballspiele etc.), die
aber selten wirklich für Reykjavík spezifisch sind, und ferner die gute und
internationale Küche sowie das rege Reykjavíker Nachtleben zum Reiseanlass
genommen werden. Im Jahr 2000 war Reykjavík eine von neun Kulturhauptstädten
Europas und wies ein reiches Programm an kulturellen Veranstaltungen auf, das
ebenfalls zahlreiche Besucher in die nördlichste Hauptstadt der Welt lockte.
Kombiniert werden Städtereisen nach Reykjavík sehr gerne auch mit Ausflügen
zu Naturschönheiten in der näheren und weiteren Umgebung Reykjavíks, also
beispielsweise zum Nationalpark Þingvellir, zum Wasserfall Gullfoss und zum
Thermalfeld Haukadalur mit der Springquelle Strokkur (sog. „Golden Circle“)
oder zum Thermalbad „Blaue Lagune“ auf der Halbinsel Reykjanes.
Dass aber Reykjavík ganz unabhängig von Kunst, Kultur, Sport und Gastronomie
für Besucher mit geographischen und naturkundlichen Interessen zwar nicht
unbedingt sehr spektakuläre, aber eigene und einmalige kleine Sehenswürdigkeiten
direkt vor Ort aufweisen kann, die leicht zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem
Linienbus zu erreichen sind, bleibt den meisten „Tages-Touristen“ ebenso wie
den Städtereisenden, die Reykjavík gezielt aufgesucht haben, verborgen. Wohl
die wenigsten Gäste werden von selbst „auf die Idee kommen“, sich in Reykjavík
mit Stadtentwicklung, Geologie oder Vegetation zu beschäftigen. Aber als
rundum interessierte Geographen und Geographinnen oder einfach nur als
begeisterte „Island-Fans“ sollte man auch diese Aspekte nicht aus dem
Auge lassen. Im Folgenden wird daher eine kleine Exkursion zu stadt-
und physiogeographisch interessanten, aber weniger bekannten Punkten
in der Hauptstadt vorgestellt, die sich bei einem längeren Aufenthalt
in Reykjavík, der sich durchaus bei einer zwei- oder dreiwöchigen Reise
oder Exkursion nach Island lohnt, in zwei oder drei Tagen durchführen lässt.
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